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Wenn Oma kocht – oder doch eher Mama?

 

Es gibt Themen, bei denen man sich unweigerlich fragt, wann man eigentlich selbst in diese Kategorie gerutscht ist. „Wenn Oma kocht“ ist so eines. Oma-Alter? Ja, das habe ich inzwischen wohl erreicht. Ob ich deshalb automatisch so koche, wie man sich das unter dem Motto vorstellt? Da habe ich dann doch meine Zweifel. Denn wenn ich an die Küche meiner Kindheit denke, sehe ich eigentlich weniger mich selbst am Herd als vielmehr meine Mutter.

Zwischen Mehlschwitze und mediterraner Küche

Meine Mutter hatte ihre ganz eigene Art zu kochen. Deftig, bodenständig und mit viel Gefühl für das, was auf den Tisch gehörte. Gemüse war nicht einfach nur eine Beilage, die möglichst knackig und bissfest bleiben musste. Es wurde gekocht, abgeschmeckt und gerne mit einer ordentlichen Mehlschwitze verfeinert. Besonders Kohl hatte es ihr angetan. Ob Weißkohl, Wirsing oder andere winterliche Gemüsesorten, mit einer guten Soße, frischen Kräutern und den passenden Gewürzen wurde daraus ein Essen, das satt und zufrieden machte.

Das war keine Küche, in der jedes Gramm abgewogen und jede Zutat nach einem komplizierten Rezept verarbeitet wurde. Da wurde nach Gefühl gekocht, abgeschmeckt und bei Bedarf noch ein bisschen nachgebessert. Die Erfahrung machte den Unterschied. Wahrscheinlich hätte meine Mutter auch gar nicht verstanden, warum man für manche Gerichte heute gefühlt eine halbe Küchenausstattung und eine Zutatenliste braucht, die länger ist als der Einkaufszettel für Weihnachten.

Natürlich gab es auch Fleischgerichte und hin und wieder einen Braten. Ein solcher gehörte für mich durchaus zur klassischen Familienküche. Bei mir selbst kommt er allerdings nur noch ganz selten auf den Tisch. Die Zeiten, in denen regelmäßig ein großes Stück Fleisch im Mittelpunkt des Sonntagsessens stehen musste, sind bei mir vorbei. Heute darf es unkomplizierter, leichter und abwechslungsreicher sein.

Meine Küche hat sich nämlich durchaus weiterentwickelt. Gerade im Sommer liebe ich die mediterrane Richtung. Frisches Gemüse, Tomaten, Olivenöl, Knoblauch, Kräuter, ein bisschen Urlaub auf dem Teller, das darf es dann gerne sein. Pasta, leichte Gemüsegerichte oder etwas mit mediterranen Aromen passen wunderbar zu warmen Tagen. Da muss ich nicht lange überlegen und schon duftet die Küche nach Süden.

Wenn es draußen allerdings ungemütlich wird, die Tage kürzer werden und der Winter Einzug hält, dann verändert sich auch mein Appetit. Plötzlich dürfen die Gerichte wieder etwas kräftiger sein. Dann kommen Erinnerungen an die Küche meiner Mutter zurück, und ich greife gerne auf diese vertrauten Zubereitungsarten zurück.

 

Im Winter darf es wieder nach Kindheit schmecken

Gerade bei Kohl werde ich offenbar ein wenig nostalgisch. Ich mag ihn nicht nur als modernen Salat oder aus dem Ofen, sondern auch ganz klassisch zubereitet. Mit einer guten Mehlschwitze, ordentlich gewürzt und mit frischen Kräutern verfeinert, so schmeckt Gemüse für mich nach Zuhause.

Natürlich kann man heute vieles anders machen. Gemüse wird gedünstet, geröstet, fermentiert oder mit raffinierten Soßen kombiniert. Das probiere ich auch gerne aus. Trotzdem hat die traditionelle Zubereitung ihren Platz in meiner Küche behalten. Nicht, weil früher grundsätzlich alles besser war, sondern weil bestimmte Gerichte Erinnerungen wecken. Manchmal reicht schon der Duft von geschmortem Gemüse und man fühlt sich für einen Augenblick wieder in die Küche von damals versetzt.

Dabei geht es gar nicht nur um das Essen selbst. Es sind die kleinen Dinge, die damit verbunden sind. Es ist die Art, wie gekocht wurde, die vertrauten Gerichte, die selbstverständlich auf den Tisch kamen und das Gefühl, dass jemand sich Gedanken darüber gemacht hat, was alle gerne essen. Solche Erinnerungen bleiben. Vielleicht merkt man erst mit den Jahren, wie sehr die Küche der eigenen Kindheit einen geprägt hat.

Ob ich deshalb heute wie meine Mutter koche? Teilweise ganz bestimmt. Ich habe ihre Küche nicht einfach übernommen, sondern mir aus dem, was ich von ihr kenne, meinen eigenen Stil zusammengestellt. Im Sommer darf es mediterran und modern sein, im Winter gerne bodenständig und traditionell. Wenn ich Gemüse mit einer Mehlschwitze zubereite, dann ist das für mich keineswegs altmodisch. Es ist einfach eine Art zu kochen, die mir schmeckt.

Vielleicht ist genau das der Unterschied zwischen den Generationen: Wir übernehmen nicht alles eins zu eins. Wir verändern, probieren aus und passen an. Ein bisschen von früher bleibt trotzdem erhalten. Nur weil man im Oma-Alter ist, muss man schließlich nicht jeden Tag kochen, als wäre man gerade aus einem alten Kochbuch gefallen. Ein bisschen Knoblauch, Olivenöl und mediterrane Lebensfreude dürfen es bei mir ruhig sein. Im Winter darf dann aber auch wieder die Mehlschwitze ran.

 

Ein Buch, das Erinnerungen auf den Tisch bringt

Passend zu diesen Gedanken habe ich mir das Buch „Oma kocht“ von Mirjam und Felix Schäferhoff vorgenommen. Schon der Titel weckt Erwartungen an vertraute Gerichte, an Familienrezepte und an jene Küche, bei der man nicht nur satt wird, sondern sich auch ein bisschen geborgen fühlt.

Denn Kochen ist eben mehr als die Zubereitung von Lebensmitteln. Es erzählt Geschichten, verbindet Generationen und bewahrt Erinnerungen. Manche Rezepte begleiten Familien über Jahrzehnte, andere geraten irgendwann in Vergessenheit. Ein Buch, das sich mit Omas Küche beschäftigt erinnert daran, wie wertvoll diese kulinarischen Traditionen sein können.

Für mich ist dabei besonders spannend, dass „Oma“ nicht automatisch eine bestimmte Art zu kochen bedeutet. Jede Familie hat ihre eigenen Klassiker, jede Generation ihre Vorlieben. Was bei der einen Oma selbstverständlich auf den Tisch kommt, kennt die andere vielleicht überhaupt nicht. Genau deshalb finde ich es interessant, sich mit solchen Kochbüchern zu beschäftigen: Sie können Erinnerungen wecken, neue Ideen liefern und dazu anregen, selbst wieder einmal etwas auszuprobieren, das man lange nicht gekocht hat.

Am Ende muss man traditionelle Rezepte auch nicht unverändert übernehmen. Man darf sie nach dem eigenen Geschmack abwandeln, Zutaten austauschen und neue Einflüsse einbringen. So bleibt die Küche lebendig und aus einem alten Familiengericht kann durchaus eine moderne Lieblingsspeise werden.

Für mich jedenfalls steht fest, die Küche meiner Mutter gehört zu meinen kulinarischen Wurzeln. Meine eigene Küche sieht heute anders aus, aber wenn es draußen kalt wird und der Kohl mit Kräutern und Soße auf dem Herd steht, dann ist ein Stück dieser Vergangenheit wieder da. Vielleicht ist das die schönste Seite am Kochen, es schmeckt nicht nur nach dem, was auf dem Teller liegt. Manchmal schmeckt es auch nach Zuhause.

 

Meine persönliche Rezension: „Oma kocht“ von Mirjam und Felix Schäferhoff

Oma kocht

Mirjam und Felix Schäferhoff

"Oma kocht" online kaufenManchmal braucht es gar keine ausgefallenen Rezepte, keine exotischen Zutaten und auch keine besonders kunstvoll angerichteten Teller. Manchmal reicht ein Blick in ein Kochbuch, um an früher zu denken. Genau diesen Eindruck vermittelt mir das Konzept von „Oma kocht“.

Mirjam und Felix Schäferhoff haben die Lieblingsrezepte ihrer beiden Großmütter zusammengetragen. Neben Klassikern der deutschen Hausmannskost finden sich persönliche Geschichten, alte Rezeptkarten und Fotos aus vergangenen Zeiten. Das Buch versammelt unter anderem Gerichte wie Grünkohleintopf, Königsberger Klopse, Rinderrouladen, Reibekuchen und Butterkuchen. Die ursprünglichen Rezepte wurden so aufbereitet, dass man sie auch heute gut nachkochen kann.

Das Kochbuch mit Originalrezepten von Oma

Was mir an dieser Idee besonders gefällt, ist der Gedanke, Familienrezepte zu bewahren. Vieles, was früher selbstverständlich gekocht wurde, verschwindet irgendwann aus dem Alltag. Die nächste Generation kennt vielleicht noch den Namen eines Gerichts, weiß aber nicht mehr genau, wie es zubereitet wurde. Dabei sind gerade diese einfachen, vertrauten Speisen oft mit den schönsten Erinnerungen verbunden.

Für mich persönlich ist die Verbindung zur Küche meiner Mutter dabei besonders reizvoll. Ich brauche nicht unbedingt einen Sonntagsbraten, um an früher zu denken. Es kann genauso gut ein ganz einfacher Kohl sein, mit einer schönen Soße und frischen Kräutern zubereitet. Solche Gerichte haben ihren ganz eigenen Charme und müssen sich vor moderner Küche keineswegs verstecken.

Ich finde es außerdem schön, dass traditionelle Rezepte nicht zwangsläufig bedeuten müssen, dass man heute genauso kocht wie vor fünfzig oder sechzig Jahren. Man kann sie übernehmen, verändern und dem eigenen Geschmack anpassen. Genau so halte ich es schließlich auch: Im Sommer darf es mediterran sein, im Winter kehre ich gerne zu den bodenständigen Gerichten meiner Kindheit zurück.

Mein Fazit: Das Konzept von „Oma kocht“ spricht mich an, weil es nicht nur ums Kochen, sondern auch um Erinnerungen und Familiengeschichte geht. Wer klassische Hausmannskost mag, alte Lieblingsgerichte wiederentdecken möchte oder Freude daran hat, traditionelle Rezepte an die nächste Generation weiterzugeben, dürfte hier viele Anregungen finden.

Eine Einschränkung möchte ich fairerweise dazusagen: Das ist mein persönlicher Eindruck anhand der vorgestellten Rezepte. Ich kann nicht behaupten, die Rezepte bereits selbst ausprobiert zu haben.

Vielleicht ist das ja auch ein schöner Gedanke für uns Omas: Wir müssen nicht jeden Tag kochen wie früher. Es reicht schon, wenn wir ein paar gute Rezepte, ein bisschen Küchenerfahrung und die eine oder andere Erinnerung weitergeben.

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