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Wenn der rechte Rand regiert – Ein Buch, das man gerade jetzt lesen sollte

 

Wie schnell kann sich eine Demokratie verändern? Und merkt man überhaupt rechtzeitig, wenn sich etwas verschiebt?

Es gibt Bücher, bei denen man sich nach der Lektüre zufrieden zurücklehnt und denkt: Schön war’s und dann gibt es Bücher, die einen noch eine ganze Weile beschäftigen. Bücher, bei denen man zwischendurch das Smartphone zur Hand nimmt, die Nachrichten liest und sich fragt: Wo stehen wir eigentlich gerade?

„Wenn der rechte Rand regiert“ von Sally Lisa Starken gehört für mich zu den Büchern, die genau solche Fragen aufwerfen. Angesichts der politischen Entwicklungen und der jüngsten Wahlergebnisse in Deutschland ist das Thema aktueller denn je.

Denn mal ehrlich: Wer hätte vor einigen Jahren gedacht, dass wir uns so intensiv mit der Frage beschäftigen würden, wie stabil unsere Demokratie eigentlich ist?


 

Ein Blick über den deutschen Tellerrand

Sally Lisa Starken ist Journalistin, Autorin und politische Erklärerin. In ihrem Buch macht sie sich auf eine Reise in drei Länder, deren politische Entwicklungen uns einiges zu denken geben können: in die USA, nach Italien und nach Polen.

In den Vereinigten Staaten beschäftigt sie sich mit der politischen Entwicklung unter Donald Trump, in Italien mit einer Regierung, die aus dem postfaschistischen politischen Spektrum hervorgegangen ist, und in Polen mit den Schwierigkeiten, nach Jahren politischer Veränderungen den Rechtsstaat wieder zu stärken.

Dabei geht es nicht einfach darum, Länder miteinander zu vergleichen und festzustellen, dass hier alles gut und dort alles schlecht ist. Vielmehr untersucht Starken, wie demokratische Institutionen unter Druck geraten können, wie sich politische Grenzen verschieben und wie Veränderungen nach und nach zum Alltag werden.

Besonders interessant finde ich dabei den Gedanken, dass eine Demokratie nicht unbedingt von heute auf morgen verschwindet. Veränderungen können schleichend beginnen. Regeln, Institutionen und gesellschaftliche Umgangsformen geraten unter Druck, während vieles zunächst noch ganz normal aussieht.

Irgendwann stellt man vielleicht fest, dass sich mehr verändert hat, als man ursprünglich gedacht hätte.

 

Was hat das alles mit uns zu tun?

Eine ganze Menge, finde ich. Wenn wir auf die politischen Entwicklungen in Deutschland schauen, wird deutlich, wie sehr gesellschaftliche Fragen, Zukunftsängste und das Vertrauen in die Politik unsere Diskussionen prägen. Die Wahlergebnisse der vergangenen Jahre und Monate zeigen, dass sich politische Kräfteverhältnisse verändern können.

Dabei lohnt es sich, genauer hinzuschauen: Welche Sorgen bewegen Menschen? Welche politischen Antworten werden angeboten? Was bedeutet es, wenn demokratische Institutionen und gesellschaftliche Gruppen zunehmend unter Druck geraten und wie gehen wir miteinander um, wenn die Meinungen weit auseinanderliegen?

Die Autorin richtet ihren Blick besonders auf Deutschland und fragt, welche Lehren wir aus den Entwicklungen in anderen Ländern ziehen können. Das finde ich spannend, denn es geht eben nicht nur um große Politik, Parlamente und Regierungschefs. Demokratie begegnet uns auch im Alltag darin, wie wir diskutieren, wie wir mit anderen Meinungen umgehen und ob wir bereit sind, uns überhaupt noch miteinander auseinanderzusetzen.

Natürlich muss man nicht jede politische Entwicklung gleich dramatisieren. Aber genauso wenig sollte man Veränderungen einfach ignorieren, nur weil sie unbequem sind.

 

Lesen, nachdenken und auch mal widersprechen

Was ich mir von einem solchen Buch erhoffe, ist keine Sammlung fertiger Antworten, die man nur noch auswendig lernen muss. Ich möchte Zusammenhänge verstehen, unterschiedliche Entwicklungen einordnen und mir selbst eine Meinung bilden können. Genau dazu lädt das Buch ein.

Sally Lisa Starken verbindet ihre Recherchen in den verschiedenen Ländern mit der Frage, was diese Erfahrungen für Deutschland bedeuten. Sie zeigt, wo sich Entwicklungen ähneln, wo Unterschiede bestehen und warum demokratische Strukturen nicht selbstverständlich sind. Dabei ist das Buch durchaus engagiert geschrieben. Es ist keine vollkommen distanzierte Betrachtung politischer Vorgänge, sondern auch ein Plädoyer dafür, sich mit der Zukunft unserer Demokratie auseinanderzusetzen. Das sollte man beim Lesen wissen. Ich finde es aber gerade bei einem solchen Thema sinnvoll, sich mit Argumenten und Beobachtungen auseinanderzusetzen, statt sich ausschließlich in der eigenen Meinung bestätigen zu lassen.

Vielleicht ist das überhaupt ein guter Vorsatz für unsere Zeit: nicht nur lesen, was uns gefällt, sondern auch einmal genauer hinsehen, wenn es komplizierter wird.

 

Meine kleine Rezension

„Wenn der rechte Rand regiert“ ist ein informatives und nachdenklich stimmendes Sachbuch, das politische Entwicklungen verständlich einordnet und den Blick über Deutschland hinaus erweitert.

Besonders interessant ist die Verbindung zwischen den Erfahrungen aus den USA, Italien und Polen und der Frage, welche Bedeutung diese Entwicklungen für Deutschland haben. Dadurch bleibt das Buch nicht bei einer bloßen Bestandsaufnahme stehen, sondern beschäftigt sich auch damit, welche Möglichkeiten es gibt, demokratische Strukturen zu schützen und zu stärken.

Man muss nicht jede Schlussfolgerung der Autorin ungeprüft übernehmen. Gerade politische Bücher dürfen und sollen dazu anregen, Argumente zu hinterfragen und sich eine eigene Meinung zu bilden. Allerdings ist das Thema nicht gerade leichte Feierabendlektüre, bei der man nach zehn Minuten selig einschläft. Dafür ist es zu ernst und an manchen Stellen auch zu beunruhigend. Wer sich aber für Politik, gesellschaftliche Veränderungen und die Zukunft unserer Demokratie interessiert, findet hier reichlich Stoff zum Nachdenken.

Meine Buchempfehlung

Ich empfehle dieses Buch allen, die verstehen möchten, was sich in Demokratien verändern kann und warum politische Entwicklungen in anderen Ländern auch für uns von Bedeutung sind.

Es ist ein Buch für politisch Interessierte, für Menschen, die sich fragen, wohin sich unsere Gesellschaft entwickelt, und für alle, die nicht einfach nur Nachrichten konsumieren, sondern die Hintergründe besser verstehen möchten.

Mein Fazit: Man muss nicht bei jeder politischen Schlagzeile in Aufregung geraten. Aber man sollte sich die Zeit nehmen, genauer hinzuschauen. Demokratie lebt schließlich nicht allein davon, dass wir wählen gehen. Sie lebt auch davon, dass wir uns informieren, Fragen stellen, unterschiedliche Meinungen aushalten und Verantwortung übernehmen. Manchmal beginnt das schon ganz unspektakulär: mit einem Buch, das man aufschlägt und mit Gedanken, die einen danach nicht mehr so schnell loslassen.

Ein Lesetipp für alle, die unsere Gegenwart besser verstehen und sich Gedanken über unsere gemeinsame Zukunft machen möchten.

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